Türkische Küste-2
Ein unscheinbares Schild auf der Strasse zwischen Antalya und Alanya weist uns den Weg zum Nationalpark Köprölu Kanyon. Eine erste Hürde überwinden wir mit dem Durchqueren eines flachen Seitenarmes des Köprücays. Eine bezaubernde Landschaft öffnet sich unseren Blicken mit satten Wiesen, sanften Hügeln und geheimnisvollen Waldstücken. Am Wegesrand treffen wir auf Kuhhirten und Ziegenherden. Immer am Fluß entlang, dessen türkise Färbung uns erfrischend begleitet, wird der Weg langsam steiler. Nach der eindrucksvollen römischen Brücke, die über den Kanyon führt, verläuft die Strasse in Serpentinen. Bizarre Felsformationen weisen den Übergang zur Baumgrenze. Uns öffnet sich ein atemberaubender Blick in das Tal. Auf einer Höhe von 1250 Metern haben wir unser Ziel, die antike Stadt Selge, erreicht. Zwischen den Ruinen hat sich das kleine Dorf Altinkaya angesiedelt. Umringt von den Kindern des seltsamen Ortes werden wir durch die gut erkennbaren Reste einer der wichtigsten Bergstädte der antiken Region geführt. Auf dem Rückweg genießen wir in den seichteren Flussniederungen ein köstliches Mahl mit frischer Forelle, Tomatensalat und geröstetem Knoblauchbrot. Die Restaurants haben ihre Sitzplätze in den Köprücay integriert, so dass die Gäste beim Essen ihre Füsse kühlen können.
Der Weg führt weiter zu der Touristenhochburg Side. Malerisch auf einer Landzunge gelegen, reizt uns die antike Stadt durch ihr Geflecht aus Historie und Bazar. Schon von weitem ist das Amphitheater sichtbar, dass einst Platz für 20000 Menschen bot. Mosaikeinlagen rechts und links neben der Strasse deuten auf die Blütezeit Sides hin. Für den Autoverkehr gesperrt, lassen wir uns von dem allgemeinen Menschenstrom auf der 800 Meter langen Haupteinkaufsstrasse treiben. Um ein Spießrutenlaufen bei den vielen Hundert Geschäften zu vermeiden, ist es ratsam in der Mitte zu gehen, denn die türkischen Geschäftsleute warten nicht ab, bis der Kunde den Laden betritt, sondern locken mit Worten und Tee geschickt in ihr Reich. Meistens genügt es, die Einladungen bestimmt und dankend abzulehnen. Ruhiger geht es auf den Nebenwegen zu. Kleine spontane Erlebnisse zeugen von dem südländischen Temperament. Wir nähern uns dem kleinen Zentrum kurz vor dem Hafen und hören laute Musik. Eine Gruppe gut gelaunter türkischer Studenten hat spontan angefangen zu tanzen. Selbst die kurzzeitigen Stromausfälle des musikspendenden Ladens unterbrechen nicht die fröhliche Stimmung. Menschen verschiedener Nationen bleiben stehen, freuen sich und reihen sich, von der Lebensfreude angesteckt, ein.Bemerkenswert an den Gebäuden ist die dichte Verflechtung antiker Materialien und moderner Baustoffe. Quader aus der historischen Substanz Sides, Nautursteine und Beton sind im Mauerwerk sichtbar verarbeitet. Antike Gebäude und ihre Reste sind zum Teil restauriert, in Wohnhäuser integriert oder auch als Restaurant genutzt. Ein genauerer Blick vermittelt das Gefühl, auf den Spuren der Archäologie zu wandeln. Spätestens die beeindruckenden Reste des Athena- und Apollotempels an der Spitze des Hafens lassen die ehemalige imposante Schönheit erahnen. Ein Blick in das säumende Meer löst Erstaunen aus, denn hier liegen seit Tausend Jahren vergessene Marmorblöcke und Säulen. Nicht nur das Land ist mit seinen unzählbaren Schätzen ein riesiges Freiluftmuseum, auch unterhalb des Meeresspiegels gibt es noch viel Geheimnisvolles zu entdecken.
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