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  Kuba
 

Kuba

Flott geht es über die Autobahn dahin. Die Fahrbahn ist etwas uneben, so daß der Bus etwas schaukelt. Pedro, unser Busfahrer hüpft auf und ab in seinem gefederten Sitz. Um die 100 km/h hat er drauf. Leitplanken gibt es hier nicht, manchmal ist der Mittelstreifen begrünt, streckenweise auch nicht. Auf der durchgehenden Piste können sogar Flugzeuge landen. Das sei so geplant gewesen.

Rechts liegen die Rosarioberge, Heilquellen gibt es hier mit 32°C und 36°C gegen Arthrose und 34°C gegen Hautkrankheiten. Ein Kururlaub ist möglich. 20km in den Bergen gibt es einen privat angelegten Orchideengarten. Heute ist er staatlich. Viel Tabak wird hier produziert, dazu Reis. 2 Arten gibt es, Nass- und Trockenreis. Ein Stausee dient zur Wasserversorgung.

Nun gibt es eine kleine Pause. Eine gute Möglichkeit sich einmal umzusehen. Zwei Stück Vieh stehen einzeln, das eine Tier kaut ausgepresstes Zuckerrohr. Vorne steht ein Trockenhaus, nur noch schwach gefüllt. Davor döst ein kleiner Hund im Schatten. Dahinter grunzt zufrieden ein dunkles Hausschwein. Um die Bar herum fährt ein Mann mit einem elektrischen Rasenmäher. Sehenswert, wie der dicke quadratische Anlaufkondensator leicht provisorisch oben drauf steht. Der Draht ist lose rumgewickelt. Immer wieder funkt es, wenn er mal Kontakt bekommt und dann wieder nicht. Um die Tische herum die landestypischen Musiker, die sich gerne wieder einen Dollar verdienen möchten. Einer verkauft kurze Holzstücke die einen netten Ton hervorbringen, wenn man draufschlägt.

Dann sehe ich sie endlich, die Goldgrube. Eine grün lackierte elektrische Presse, in die immer wieder Zuckerrohrstangen eingeschoben werden. Ein kleiner Becher des klebrigen süßen Safts bringt immerhin einen Dollar. Noch einen Schuß weißen Rum dazu, schon sind 2$ zu bezahlen. Die ganze Flasche Rum kostet jedoch nur so um die 3$. Aus einer Stange Zuckerrohr läßt sich eine ganze Menge Saft pressen. Erst wird die Zuckerrohrstange mit einem Holzknüppel an mehreren Stellen angeschlagen, dann durch die Maschine gequetscht. Der wertvolle Saft rinnt über ein Sieb direkt in das Sammelgefäß mit dem dann die Becher gefüllt werden. Damit mehr Saft herauskommt, wird die Stange noch ein weiteres Mal doppelt genommen durchgezogen. An den Resten freut sich z.B. die Kuh, die ich vorhin gefilmt habe. Wenn man sich überlegt, daß ein normaler Kubaner nur so um die 12$ im Monat verdient. Wie viele Dollars hier wohl in einer halben Stunde eingenommen werden?

Und weiter geht die Fahrt, noch 20 km. Schlecht ist die Autobahn hier. Wir kämpfen uns von Schadstelle zu Schadstelle. Schneller als 70km/h geht es hier nicht. Rechts eine Bierbrauerei. Pinar del Rio heißt die Stadt. Den besten Tabak gibt es hier. Staatlich sind die Fabriken. Die Bauern dürfen auch selbst produzieren, müssen jedoch an den Staat verkaufen. Zigarrendrehen ist überwiegend Frauenarbeit. Vorne links, das blaue Haus ist die Zigarrenfabrik Francisco Donatien. In einem länglichen Raum sitzen sie, die Tabakspezialisten. Vor sich die Arbeitsplatte, wo die braunen Tabakblätter verarbeitet werden, dahinter der silberne Abschneider für die richtige Länge der Zigarre. In den Zwischenstadien werden die halbfertigen Meisterwerke in hölzernen Schablonen immer wieder gepresst. Am Schluß kommt ein hochwertiges Deckblatt darüber, fixiert wird es mit einer Art Klebstoff. Auch das Zigarrenende wird sorgfältig zugeklebt. Die Arbeiter bekommen ein Kontingent an Zigarren. Mancher würde es gerne an die Touristen verkaufen für ein paar Dollar, eigentlich ein gutes Geschäft für beide Seiten. Im nächsten Raum werden die begehrten Stücke manuell kontrolliert und sortiert. Die Banderole wird aufgebracht und in die Zigarrenkisten verpackt. "Montechristo" ist die eine Marke, "Cohiba"s heißen die anderen.

Weiter geht es in die Rumfabrik. Eigentlich ist es nur eine Flaschenabfüllstation, der eigentliche Alkohol kommt aus der Zuckerrohrfabrik, die man ja nicht besichtigen darf in Kuba. So sehen wir nur wie die Flaschen gewaschen werden, wie in jede Flasche 2 kleine bräunliche Früchte geworfen werden. Darauf ergießt sich der bräunliche Alkohol. 6 Monate waren zuvor Alkohol und Früchte im Faß gereift. Nun wird noch manuell der Verschluß der Flasche aufgesetzt und einzeln verpresst. 2 Frauen montieren die beiden Etiketten auf der Vorder- und Rückseite der Flasche. Seife hätten sie natürlich wieder gerne, aber ich habe diesmal keine dabei. 

Und weiter geht die Fahrt mit dem Bus in Richtung Vinalestal. Luis hat schon recht, wirklich wunderschön schaut es hier aus. Beim Hotel "Los Jazmines" ist die schöne Stelle für ein Erinnerungsfoto. Toll sind auch die Postkarten des Tales, einen Dollar kosten sie mit der aufgedruckten Marke. Immerhin 11 dieser Karten haben wir nun. Langsam wird es Zeit uns an das Schreiben zu machen.

10 Minuten vor 1 sind wir an unserem Mittagslokal, strohgedeckt und offen. "El Nino" heißt der Besitzer, ein älterer selbstbewußter Herr mit Hut. Tabakpflanzer ist er, auf seinem Gebiet wohl eine Berühmtheit, gibt es doch eine Postkarte, die genau ihn mit seinem muskulösen Körper zeigt. Rechts flicht sein Sohn einen kleinen Brotkorb aus frischen Palmwedeln. Im Nu hat er ein kleines Kunstwerk geschaffen, das man hinterher für einen Dollar mitnehmen kann. In ein paar Wochen wird die Farbe von grün nach braun wechseln. Wirklich gut ist das Essen hier, sogar den Hennen mit ihren Küken schmeckt das was der Tourist für sie herunterwirft.

Hinter dem Haus wachsen ein paar grüne Tabakpflanzen. Gleich daneben steht ein riesiges, gut gefülltes Trockenhaus. Manches Blatt ist stark angeschimmelt. Vermutlich wird das besser, wenn erst einmal der richtige Trocknungsgrad erreicht ist. Auch hier kann man Zigarren kaufen, und es gibt auch einen kleinen Arbeitplatz zur Herstellung.

Wenige Kilometer weiter hält der Bus bei der großen Felsmalerei (Mural de la Prehistorica). Regelmäßig wird sie erneuert, da sie der Regen immer wieder abwäscht. Auf der Wiese davor versucht ein Cowboy seine Pferde an die Touristen zu vermieten. Natürlich gibt es auch wieder günstige Zigarren. 80% Luftfeuchte zeigt das Hygrometer an, für Zigarren wohl ein günstiger Wert.

Nur hier im 132qkm großen Vinalestal wird Wein angebaut. Vinales heißt der kleine Ort. Nur 3 kleine Hotels gibt es hier. Immer wieder Akazienbäume. Nun sind wir in der Nähe der Indianer-Höhle (Cueva del Indio). Davor liegt eine Art Naturpark mit Korkpalmen etc. 4.5km lang ist die eigentliche Höhle, toll bewachsen der Eingang. Für 2$ dürfen wir hinein. 800m sind beleuchtet, abenteuerlich der Pfad. Mich erinnert es an Tom Sawyer und Huckleberry Finn. Schnur haben wir aber keine dabei um wieder herauszufinden. Unten ist die Höhle mit Wasser gefüllt und so geht es mit dem Boot weiter. Luis zeigt uns den Schlangenkopf und die auf den Kopf gestellte Sektflasche an der Wand. Hinten fährt das Boot wieder ins Freie.

In Vinales ist noch Zeit einmal die Straße entlang zu laufen. Auf dem Gehweg übt die Jugend Baseball, am Eisstand steht geduldig eine lange Schlange. 16:05 fahren wir wieder Richtung Havanna, wie Luis es schon gesagt hatte. Mit 120km/h braust der Bus auf der linken Spur dahin, vorbei an Pferdekarren und gelegentlich auf derselben Fahrbahnseite entgegenkommenden Cowboys und Radlern. Immer wieder nimmt auch einer der offenen "Busse" mit Lastwagenladefläche wieder neue Gäste auf.

Am Straßenrand frißt das Vieh das Gras ab. Immer wieder sieht man Fußgänger mit oder ohne Schirm. Auf dem Mittelstreifen bieten Bauern ihren selbstgemachten Käse an. Regelmäßig tauchen in der Mitte grüne Schilder auf mit der km-Angabe. Es ist schon ein Gefühl der Freiheit, das Fahren ohne Leitplanken und die entgegenkommenden Verkehrsteilnehmer. Passieren tut wohl wenig. Ob es daran liegt, daß es so wenig Verkehr gibt? Vielleicht weil der Sprit so teuer ist? Unser Bus jedenfalls fährt gerade am Anschlag des Tachos mit etwa 120km/h. Rechts sehen wir wieder das Trainingsgewässer der kubanischen Ruderer. Ein Rennradler fährt rechts am Straßenrand. Immer wieder sieht man die alten amerikanischen Straßenkreuzer. Einer der Oldtimer wird von einem anderen abgeschleppt. Der ausgestoßene Rauch vernebelt die Sicht. Mit der technischen Überwachung nimmt man es wohl nicht so genau, obwohl sie vorgeschrieben alle 2 Jahre stattfindet (eine Art TÜV). Mancher der Oldtimer steht am Straßenrand mit offener Haube, hineingebeugt ein Kubaner der wohl gerade den Fehler sucht.




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